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Bildstil und Bildsprache

Im ersten Teil dieser Blogreihe haben wir über Sprache und Bilder philosophiert und dabei festgestellt, dass sie eng verwandt sind. Beide dienen der Kommunikation, dem Austausch, beide vermitteln dem Gegenüber Bedeutung. Je präziser man sich ausdrückt, desto besser wird man verstanden. In der Fotografie heißt es, dass jemand eine eigene Bildsprache entwickelt hat. Er ist durch seinen Bildstil eindeutig erkennbar. Sie hat eine unverwechselbare Handschrift. Das ist es auch, wonach viele Fotografen streben: Unverwechselbarkeit, Anerkennung, kurz: ein eigener Stil bzw. eine eigene Bildsprache.

Was bedeuten diese Begriffe genau? Ist Stil das Gleiche wie Bildsprache? Findet man seinen Stil, muss man ihn suchen oder gar definieren? Braucht es überhaupt diese eigene Handschrift, diesen unverwechselbaren Blick?

Der Bildstil

Den Bildstil kennt man aus der Kunstgeschichte: Er beschreibt die Art und Weise, wie sich ein Künstler ausdrückt (sei es mit Pinsel oder Meißel oder auch mit der Kamera). Er bezeichnet die Herangehensweise an ein Projekt, die Arbeitsweise und auch die Hilfsmittel und Elemente, die zum Einsatz kommen. Erkennt man in einem Bild bestimmte formale Elemente wieder, kann man es einem Stil zuordnen, man erkennt den Künstler anhand seines Werks, weiß um die Epoche.

Der Bildstil - formale Elemente, die in Bildern wirken

Elemente bzw. Stilmittel

Was sind nun diese Elemente, die Merkmale eines Bildstils? Sie sind zunächst verschiedenen Ebenen zuzurechnen: Es können die Themen sein, die so klar auf einen Fotografen hinweisen, dass sie konstituierend sind für seinen Stil. Es kann die Verstärkung der Bildwirkung durch eine spezielle Bildbearbeitung sein, die ganz typisch ist für eine Fotografin. Vor allem aber sind es formale Elemente, die die Bildgestaltung und die Aufnahmetechnik betreffen, anhand derer ein Stil erkennbar wird.

Den Stil eines Fotografen kann beispielsweise ausmachen, dass er Fotos mit eher langen Brennweiten aufnimmt. Der Bildaufbau könnte klar und strukturiert, gerne symmetrisch sein, bildwichtige Objekte oder Menschen würde dieser Fotograf eher zentral im Bild ansiedeln. Die Bilder belichtet er hell und den Kontrast reduziert er. Ruhige und freundliche Bilder mit luftig-leichter Anmutung sind das Ergebnis.

Vom Stil zur eigenen Sprache

Nun könntest du auch hergehen und deine Bilder formal ähnlich aufbauen. Dir gefällt die Wirkung dieser Bilder auf dich und daher übernimmst du die formalen Elemente in deine Arbeit. Ist es nun dein Stil, so zu fotografieren?

Nicht jede Ansammlung von verschiedenen Bildern, die dieselben formalen Stilmittel aufweisen, lässt gleich auf einen Bildstil oder gar eine Bildsprache schließen. Sucht man nur nach einer Strategie, Bilder auf eine gewisse Art und Weise anzufertigen, kann man unserer Ansicht nach nicht von Bildstil sprechen. Es fehlt die individuelle Herangehensweise an ein Thema, die Berücksichtigung der eigenen Arbeitsweise. Du kopierst, anstatt zu schaffen. Du suchst nach formaler Richtigkeit, anstatt dich um den Grund fürs Auslösen zu kümmern.

Sprache und Bild: Bildstil

Hast du allerdings eine bestimmte Herangehensweise an neue Ideen (das heißt, du liest beispielsweise immer alles zu dem Thema, das dich gerade interessiert, oder du stürzt dich mit Begeisterung ins Tun), hast du fotografische Ziele, die du verfolgst, und wendest du dann bestimmte formale Elemente immer wieder an, weil sie eben das, was du sagen möchtest oder was du fühlst, bestmöglich unterstreichen, dann kann sich diese Vorgehensweise zu deinem eigenen Stil verfestigen.

Wird diese formale Ebene in deinen Bildern nun noch durch einen persönlichen Aspekt ergänzt, hast du den Wunsch, mit deinen Bildern auch zu kommunizieren, dann bekommt dein Bild Inhalt. Denn Sprache lebt immer von mindestens zwei Ebenen: Der Grammatik, also dem formalen Aufbau, und den Wörtern, also dem Inhalt. Plötzlich unterscheidet sich dein Bild von den tausend anderen davor, obwohl es vielleicht die gleichen formalen Elemente nutzt: Du bist auf dem Weg, eine eigene Bildsprache zu entwickeln.

Was dabei noch hilfreich sein kann bzw. wie wir für uns den Begriff der Bildsprache definieren, darüber schreiben wir das nächste Mal. Schreib uns inzwischen sehr gerne deine Gedanken dazu. Wir freuen uns auf den Austausch!

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