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Die Bildsprache

Wir haben im vorigen Teil dieser Blogreihe gesehen, was ein Bildstil ist. Dabei haben wir auch bemerkt, dass Bildsprache so etwas ist wie der Bildstil plus eine persönliche Komponente.

Man verfügt über eine begrenzte Anzahl von formalen Mitteln in der Fotografie. Das heißt, es hat wahrscheinlich jedes Foto schon gegeben: Schließlich gibt es nur eine eingeschränkte Auswahl von unterschiedlichen Perspektiven, die man einnehmen kann. Was die Helligkeit betrifft, bewegt man sich auf der Tonwertskala zwischen 0 und 255. Farben sind darauf beschränkt, was die Monitore oder das verwendete Papier hergeben … Was verschiedene Fotografen unterscheidet, ist also ihre Persönlichkeit. Es sind ihre Interessen, ihre Wünsche, die den Unterschied machen, kurz: das Warum.

Ein Bild macht noch keine Sprache

Es verhält sich mit der Bildsprache wie mit der gesprochenen oder geschriebenen Sprache: So wie ein Wort noch keine Sprache macht, kann ein einzelnes Foto noch keine Bildsprache ausmachen. Erst die Aneinanderreihung von Worten – in einer ganz persönlichen Art und Weise – kann die Sprache eines Einzelnen besonders machen. Dabei sind es wohl nur Kleinigkeiten, die für einen Menschen typisch sind und seine Art zu sprechen vielleicht sogar unverwechselbar machen: bestimmte Phrasen, eine individuelle Mimik, feine, versteckte Ironie, die Tonlage und viele mehr.

Je reicher die Quelle, aus der man sprachlich schöpfen kann, desto differenzierter kann man sich ausdrücken. Wir glauben, dass es beim Fotografieren ähnlich ist: Je präziser deine Sprache, desto eher wirst du auch deine persönliche Bildsprache entwickeln. Kannst du dich mit Worten geschickt ausdrücken, wirst du auch beim Fotografieren auf dem Punkt sein. Denn: Auch beim Fotografieren solltest du wissen, was du eigentlich willst. Was willst du sagen? Was soll der Betrachter fühlen? Was inspiriert dich?

Nun weißt du vielleicht, was du mit deinen Bildern bezwecken willst, aber irgendetwas fehlt noch. Auch hier ist der Vergleich mit der Sprache hilfreich: Du musst viele Vokabeln lernen und anständig Grammatik pauken, um dich in einer (Fremd-)Sprache gut auszudrücken. Ebenso solltest du viele Bilder konsumieren, um auch beim Fotografieren voranzukommen auf dem Weg hin zur eigenen Bildsprache.

Bildsprache – der rote Faden

Eigne dir zunächst die formalen Elemente an – die Grammatik. Geh dann daran, mehr auf den Inhalt zu achten. Welche Gefühle löst ein Bild in dir aus? Du kannst dich hier aber nicht nur bei anderen Fotografen umsehen. Lass dich auch inspirieren von anderen Medien: von der Musik, der Bildhauerei, der Literatur. Schau, was die Werbung so macht, sei mit offenen Augen draußen in der Natur unterwegs. Aber vor allem: Geh raus, tausch dich mit anderen aus, rede über deine Bilder und deine Motivation, fotografiere, was immer dich interessiert, und so, wie es deiner Art entspricht.

Du wirst sehen: Je mehr du fotografierst und je mehr du das fotografierst, was dich interessiert, desto schneller wirst du vorankommen. Je stärker dein Herz an einem Thema hängt, desto besser werden deine Bilder. Je mehr von dir du in deine Bilder legst, desto eher und rascher wird eine Art roter Faden sichtbar, der sich durch deine Arbeit zieht.

Die Bildsprache: der rote Faden in der Arbeit eines Fotografen
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