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Ohne Licht ist alles doof

Licht ist der entscheidendste Faktor in der Fotografie. Das steht schon im Namen selbst, denn Fotografie bedeutet nichts anderes als mit Licht malen oder schreiben. Ohne Licht gibt es gar keine Fotografie und zugleich ist Licht wohl das wichtigste Gestaltungsmittel. Dieses Thema liegt uns sehr am Herzen, daher beschreiben wir hier die physikalischen Grundlagen ebenso wie die praktische Umsetzung.

Zu deinem Handwerkszeug als Fotografin oder als Fotograf gehört, dass du mit Licht umgehen kannst, und zwar mit allen Arten von Licht. Doch keine Bange: Licht verhält sich immer gleich, ganz egal, ob es direkt von der Sonne, durch ein Fenster, von einem Blitz, einer Lampe oder von achtunddreißig Kerzen kommt. Also, machen wir uns auf ins Reich des Lichts und lernen wir, damit umzugehen, denn: Ohne Licht ist alles doof!

Ohne Licht ist alles doof: Getting-Ready des Bräutigams

Licht – Hard Facts

Was ist denn nun Licht genau? Und wie verhält es sich? Hier ein paar Fakten für dich rund ums Licht:

  • Licht ist der für uns sichtbare Teil der elektromagnetischen Strahlung – die Regenbogenfarben also von Violett über Blau, Grün, Gelb, Orange bis zu Rot.
  • Licht verhält sich als Welle und als Teilchen.
  • Es breitet sich von einer Lichtquelle in alle Richtungen gleichmäßig und geradlinig aus (in einem homogenen Medium).
  • Es kann gebeugt (z. B. bei kleiner Blende, so kriegst du auch diese sternförmigen Strahlen bei Gegenlicht hin), gestreut (wenn es auf Hindernisse trifft, teilt sich das Strahlenbündel auf, Blau wird stärker gestreut, daher ist der Himmel auch blau) oder gebrochen (da wird der gesamte Lichtstrahl abgelenkt) werden.
  • Licht kann auch reflektiert (der Eintrittswinkel ist immer gleich wie der Austrittswinkel) oder absorbiert (durch schwarze Dinge beispielsweise, da entsteht dann Wärme) werden.
  • Und vielleicht das Wichtigste: Die Lichtintensität nimmt mit zunehmender Entfernung zum Quadrat ab.

Was bedeutet das nun alles für unsere tägliche Arbeit? Muss ich wirklich wissen, wie sich Licht ausbreitet, wann es von der Intensität her abnimmt oder wie es reflektiert wird?

Arbeiten mit Licht

Du weißt jetzt in der Theorie, wie sich Licht verhält. Der nächste Schritt ist, das Licht zu beobachten. Gewöhne dir an, überall wo du bist nach dem Licht Ausschau zu halten. Achte darauf, welche Farbe es hat. Morgens und abends beispielsweise ist es viel “wärmer”, die längeren roten Wellenlängen gelangen da besser zu uns, es hat also mehr Rotanteile. Beobachte, wie die Schatten aussehen. Die Mittagssonne erzeugt sehr harte Schatten. Das liegt daran, dass die Sonne so weit weg und daher winzig klein ist. Scheint die Sonne durch ein Fenster, sehen die Schatten ganz anders aus. Das Fenster ist hier die Hauptlichtquelle – diese ist viel größer und liegt viel näher dran als die Sonne, daher sind die Schatten weicher.

Um das Entfernungsgesetz zu verstehen, kannst du einen Versuch am Fenster machen. Steht eine Person beispielsweise einen Meter entfernt, kriegt sie 100 % des Lichts ab. Steht sie doppelt so weit weg, also zwei Meter, kriegt sie aber nur mehr ein Viertel des Lichts ab. Das ist eben das umgekehrte Entfernungsgesetz – inverse square law. Das heißt in der Praxis, dass der Übergang zwischen Licht und Schatten härter ist, wenn die Person ganz nah am Fenster (der Lichtquelle) steht, der Übergang wird weicher, je weiter weg vom Fenster die Person steht. Sie ist dann auch gleichmäßiger ausgeleuchtet, wenn auch weniger hell.

Schwarz-weiß: Ring am Finger des Bräutigams

Du wirst bemerken, irgendwann beginnst du automatisch überall Licht zu sehen. Du wirst auch auf feinere Nuancen achten, beispielsweise auf reflektiertes Licht. Eine praktische Anwendung: Das Paarshooting auf deiner nächsten Hochzeit soll nachmittags um zwei Uhr stattfinden – hartes Licht, unschöne Schatten. Stellst du das Paar unter einen Baum in die grüne Wiese, um die Schatten zu vermeiden, wird dein Paar aber einen Grünstich bekommen. Die grüne Wiese reflektiert das Sonnenlicht und lässt es grünlich werden. Besser ist in so einem Fall ein heller Untergrund wie ein sandiger Weg oder helle Platten. Oder auch eine helle Wand gegenüber, die die Schatten aufhellen kann.

Wenn du das Licht beobachtest und weißt, wie es sich verhält, kannst du bessere Entscheidungen treffen und wirst auch in eher ungünstigen Situationen gute Bilder machen können. Je besser du mit Licht umgehen kannst, desto besser kannst du auch auf unvorhergesehene Situationen reagieren. Du kannst deine Brautpaare auch besser beraten (wollen die weiches, goldiges Abendlicht, dann wird es nicht klappen, wenn der Fototermin mittags eingeplant wird).

Licht selbst in die Hand nehmen

Das vorhandene Licht nutzen ist super – manche Leute arbeiten nur mit available light. Unser Tipp: Beschränke dich nicht darauf. Lerne auch, mit deinem Blitz umzugehen. Blitzlicht funktioniert im Grunde wie Sonnenlicht – mit einem Riesenvorteil: Du kannst die Intensität selbst steuern. Einen oder mehrere Blitze einsetzen zu können, heißt aber nicht, dass man ganze Kirchen mit Blitzen bis ins letzte Eck ausleuchten muss. Nur weil man mit der Technik umgehen kann und sie auch besitzt, muss man sie nicht immer einsetzen. Aber die Wahl zu haben und mit Blitzlicht Akzente zu setzen (wie beim nachfolgenden Bild), ist großartig. 😉

Erster Tanz: Licht ist Magie und ohne Licht ist alles doof

Mut zum Schatten

Nun kannst du schon prima mit Licht umgehen. Du siehst es überall, du kennst seine Eigenschaften und Qualitäten. Du kannst es nach Belieben selbst erzeugen. Spitze! Dann wird es Zeit für Schatten. Schatten sind toll: Sie modellieren Gesichter, zaubern Stimmung in Situationen, geben Räumen Tiefe. Ein rundes Gesicht wird schnell mal zum Mondgesicht, wenn es eine volle Ladung Licht auf die Breitseite abbekommt. Kommt das Licht aber von der anderen, der Kamera abgewandten Seite, erhält das Gesicht plötzlich eine schöne Form. Die Hochzeitstafel im Kerzenlicht? Superstimmig, findest du nicht auch? Kleiner Tipp zum Schatten: Achte mal in guten Filmen oder Serien darauf, wo da überall Licht gesetzt wird und welche Bereiche im Schatten verschwinden. Die räumliche Wirkung hängt echt stark daran, wie Licht und Schatten zusammenspielen.

Licht ist wirklich ein Gamechanger in deiner Fotografie und deiner fotografischen Entwicklung. Es macht den Unterschied zwischen: “Oh, nett” und “Wow, wow, wow”. Viel Freude beim Suchen nach dem Licht!

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